Im Dezember 2015 wurde bereits die erste rechtsverbindliche sowie globale Klimaschutzvereinbarung auf der Pariser Klimakonferenz COP21 geschlossen. Das hehre Ziel: Die massive Reduktion der CO2-Emissionen bis hin zur EU-weiten Neutralität („Zero Emissions)“ bis 2050. Letztere Vision der Klima-Kommission erwächst aus dem Pariser Abkommen und manifestiert sich im European Green Deal Agreement vom November 2018. Im März 2020 dann legte die EU ihre Langfriststrategie vor. Das milliardenschwere Unterfangen erfordert entsprechende Bereitschaft privater und institutioneller Investoren sowie ganzer Industrien, um dieses durchaus chancenreiche Ziel in die Tat umzusetzen. Wir alle – und vor allem alle nach uns – haben ja was davon…

Was aber konkret tun? Ein spannender Ansatz ist die Kreislaufwirtschaft als eine Strategie den Kohlenstoff-Fußabdruck der Wirtschaft im Allgemeinen oder für Unternehmen im Besonderen zu verringern. Was bedeutet jetzt Kreislaufwirtschaft genau für Unternehmen? 7 Prinzipien unterstützen nachhaltig handelnde Unternehmen bei einer neuen Denkweise bzgl. Ihrer Produkte, Prozesse & Strategien (EN=“7R“):

  1. Neu denken „Rethink“
  2. Reduzieren „Reduce“
  3. Wiederverwenden „Reuse“
  4. Reparieren „Repair“
  5. Renovieren „Refurbish“
  6. Wiederherstellen „Recover“
  7. Wiederverwerten „Recycle“

Die Branche der europäischen Maschinenvermieter, vertreten durch die ERA – European Rental Association, hat hier bereits eine Menge Hirnschmalz (und mehr als das) investiert und diesbezüglich 2020 ein umfangreiches Forschungsprojekt u.a. über die in Delft ansässige Climate Neutral Group angestoßen, um Mittel und Wege zu finden o.g. Prinzipien für Maschinenvermieter anzuwenden und damit dem hehren Ziel konkret näher zu kommen. Vermieter haben ohnehin bereits auf Zirkulation aufbauende Geschäftsmodelle. Optimierungen wie Maschinenvermieter so zu nachhaltigen Emissionseinsparungen beitragen können, galt es im Zuge des Forschungsprojektes zu identifizieren und auszuarbeiten.

Am Anfang steht die Frage, ob das Mieten von Maschinen ein geeigneter Weg ist, den Carbon Footprint dieser im Zuge ihrer Lebenszyklen Produktion, Nutzung und „Ableben“ zu reduzieren. Insbesondere die Nutzungsphase sowie das „Ableben“ (End-Of-Life-Phase) stehen im Fokus – und damit die These, dass effiziente Nutzung den gesamten CO2-Fußabdruck der Ausrüstungsgegenstände senkt und dass das Geschäftsmodell des Verleihs eine effiziente Nutzung fördert.

Die Parameter, die den größten Einfluss auf den Kohlenstoff-Fußabdruck der Ausrüstung haben, sind:

1. Nutzungsintensität – Eine Maximierung der Nutzungsrate könnte die Menge der benötigten Ausrüstung reduzieren
2. Verwendung der richtigen Ausrüstung für die Arbeit
3. Transport – Kürzere Entfernungen und hohe Auslastungsfaktoren
4. Wartung – Längere Lebensdauer ermöglichen

Für die Erhebung wurden die zehn populärsten Mietgeräte verschiedener Hersteller identifiziert und ausgewählt, darunter Erdbewegung (Bagger, Minibagger, Radlader), Materialtransport (Telehandler), Arbeitsbühnen und Lifte, Generatoren und Werkzeuge (Bohrer, Brecher). Ziel des Forschungsprojektes war es die CO2-Emissionen in kg (Carbon-Footprint) für das jeweilige Mietgerät zu ermitteln, sowie einen Netto-Kohlenstoffbilanz-Wert. Ersterer ergibt sich aus einer kombinierten Betrachtung der Lebensphasen der Geräte, also der Nutzungsphase und der Ablebensphase. Die Phasen werden wiederum von einzelnen Faktoren bestimmt, z.B. Arbeitsstunden pro Jahr, Transport, Treibstoffverbrauch, sowie Abtransport der zu recycelnden Stoffe nach Zerlegung usw. Der Netto-Kohlenstoffbilanz-Wert geht von einer optimierten Produktionsphase aus, vor allem aber von einer optimierten Ablebensphase, d.h. besserem Recycling*. Für die Bewertung der Faktoren wurden je nach Arbeitsschritten u.a. in Form von Interviews, Fragebögen und externen Datenquellen die Daten der Zulieferer (OEM), Vermieter, sowie Bauunternehmen betrachtet.

CO2-Emissionen in kg im Vergleich zum Netto-Kohlenstoff-Bilanzwert je nach Gerät:

Bild 1 – Quelle: Report „Construction equipment during climate crisis“, Climate Neutral Group et al
Übersetzung: Minibagger, Ketten-/Raupenbagger, Radlader, Teleskoplader, Generator, Mastauslegerlift, Gelenkausleger, Scherenbühne, Brecher, Bohrer

CO2-Einsparungspotential je Gerätegruppe bei optimiertem Recycling:

Bild 2 – Quelle: Report „Construction equipment during climate crisis“, Climate Neutral Group et al.

Weitere signifikanter Ergebnisse der Studie (priorisiert):

  1. Die Verwendung fossiler Brennstoffe hat einen signifikanten Einfluss auf die gesamte Kohlenstoffbilanz eines Produkts (gilt für alle Phasen)
  2. Im Allgemeinen gilt: Je schwerer die Maschine, desto größer ist der Kohlenstoff-Fußabdruck in der Produktion (Ergebnis aus der Analyse der Produktionsphase)
  3. Mit recycelten Materialien in der Produktionsphase kann viel gewonnen werden (Ergebnis aus der Analyse der Produktionsphase)
  4. Das Recycling des Produkts, von Teilen des Produkts oder von Materialien aus den Teilen hat einen positiven Einfluss auf den Kohlenstoff-Fußabdruck (Ergebnis aus der Analyse der Ablebensphase)
  5. Nach Energie, Produktion und Recycling ist der viertgrößte Einflussfaktor der Transport (gilt für alle Phasen)

Fazit und warum die Vermieterindustrie einen echten Unterschied machen kann:

Weil sie wirklich groß und einflussreich ist: Der Markt für Mietgeräte im Bausektor ist im letzten Jahrzehnt stetig angewachsen. In den EU-28- und EFTA-Ländern erwirtschafteten Mietunternehmen (aktuelle Zahl 11.200), die Vermietungsdienstleistungen anbieten, einen Gesamtumsatz von mehr als 25,7 Milliarden Euro, wobei die durchschnittliche Marktdurchdringung speziell im Baugewerbe bei 1,5% lag.

Vermieter sind entsprechende Großabnehmer der Hersteller sowie signifikante Zulieferer der Verwertungs-/Recyclingindustrie. Die Studie zeigt, dass neben der Optimierung der eigentlichen Zirkulation der Geräte in der Nutzungsphase (größter Hebel der Vermieterindustrie), die Produktion sowie das Recycling massive Einflüsse auf die Gesamt-Kohlenstoffbilanz von z.B. Baumaschinen haben.

Einen echten Unterschied machen kann aber womöglich nur ein entsprechender Zusammenschluss der wichtigsten Einflussakteure aller Lebenszyklusphasen. Der vorhandene Einfluss bzw. die Marktmacht Europäischer Vermieter auf andere Akteure kann hier ein wichtiger Schlüssel sein. Die freie Veröffentlichung dieser Studie (Link s.u.) zollt bereits von entsprechender Absicht und Tendenz der Vermieterindustrie hier zunehmend Einfluss auf ein grüneres Morgen zu nehmen!

Weblinks:

Die gesamte Studie, veröffentlicht und distribuiert via LECTURA: https://lectura.press/en/report/construction-equipment-during-climate-crisis/39

Veröffentlicht von Chris Domagala

LECTURA Specs ist eine international frequentierte Online-Plattform (8 Sprachen, Plattformwachstum 2019-2020: 106%) rund um das Thema “mobile Maschinen”. Autor des Beitrages für B2Innovate auf Basis der oben ausgeführten Methodik ist Chris Domagala, Chief Business Development Officer bei LECTURA.

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2 Kommentare

    1. Hallo Herr Seidel, vielen Dank für Ihr positives Feedback! Da freuen wir uns sehr! Viele Grüße

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