Was ist eigentlich mein gebrauchter 12t-Radlader nach 6 Jahren und X Betriebsstunden auf der Uhr wert? Wo ist die „Schwackeliste“ für Baumaschinen zu finden? Was sind wichtige Einflussfaktoren hinsichtlich der Nutzung und sind die Preise auf Online-Marktplätzen eigentlich realistisch?

Im Digitalzeitalter angekommen, sind Daten mittlerweile überall in Hülle und Fülle zu finden. Für Maschinenhändler, Fuhrparkbesitzer oder Finanzierungsgesellschaften sollte es doch ein Leichtes sein, schnell einen Überblick zu erhalten. Kleiner Spoiler: Nein, ist es leider nicht. Es zeigt sich, dass die Methodik bei der 1984 gegründeten Nürnberger Wertauskunftei erheblich komplexer ist bzw. sein muss, als man glauben könnte. Lesen Sie im Folgenden einen Erfahrungsbericht aus erster Hand für B2Innovate. Die Firma LECTURA berichtet aus dem Nähkästchen ihres Kerngeschäfts: Es zeigt sich, dass die Methodik zur Bewertung von mobilen Maschinen erheblich komplexer ist als man meinen könnte.

PKW’s bewerten ist relativ simpel in 2020. Seit Jahrzehnten wird hier ein standardisiertes Register gepflegt mit dessen Hilfe Fahrzeuge anhand ihrer „Seriennummern“ eindeutig identifiziert werden können. Unternehmen wie DAT (Schwackeliste) oder der TÜV sind mit einer umfassenden Datenlandschaft auf Basis langjähriger Präzedenz gut ausgestattet und gerüstet Bewertungen auf einer standardisierten Basis vornehmen zu können. Bei Baumaschinen sieht die Welt anders aus. Angebotslandschaften sind oft diffus, ein Zentralregister mit allen aufgeführten Modellen gibt es nicht – geschweige denn eine markteinheitliche Seriennummernstruktur für Maschinen. Hersteller arbeiten proprietär mit komplexen, globalen Distributionsstrukturen und wissen häufig selbst nicht, für welchen Betrag eine Maschine tatsächlich auf die Märkte dieser Welt gelangt. Online-Gebrauchtmarktplätze haben viele Facetten: die Funktionsfähigkeit ist nicht immer ersichtlich, die Preise in der Regel deutlich zu hoch veranschlagt und im Allgemeinen herrscht so etwas wie „Basaratmosphäre“ vor. Letzteres bedeutet u.a., dass reelle Transaktionspreise (sprich, für welche Summe das Objekt tatsächlich gehandelt wird) intransparent und die Angebotsinformationen, da Sie von den Verkäufern selbst eingestellt und gepflegt werden, nicht sonderlich neutral sind.

LECTURA nimmt sich dieses Themas seit 1984 an und unterstreicht vordergründig, dass Angebotsdaten aufwendig gesäubert und plausibilisiert werden müssen, bevor diese in ein übergeordnetes Gesamtmodell einfließen können. Verschiedene weitere Datenquellen wie echte Transkationsdaten von Finanzierern und Versicherern, Ergebnisse von „Mysteryshopping“-Aktionen, der Einbezug historischer Preisdaten(entwicklungen), etc. bilden einen Berechnungskern, welcher zum Ziel hat verschiedene Preisebenen nach Risikoklassen zu unterteilen. So wird a priori zwischen Marktwerten und Auktionswerten differenziert – das ist soweit selbsterklärend. Anhand einer Risikoskala, die bspw. Banken und Finanzierer nutzen, kann neben dem Preis/Restwert auch die Einordnung dieses Preises bestimmt werden.

Die untenstehende Grafik skizziert dies ausgehend von der Risikohierarchieklasse:

Quelle: LECTURA, FLF Magazin – „Finanzierung, Leasing, Factoring“, Verlagsgruppe Knapp – Richardi – Verlag für Absatzwirtschaft

Eine präzisere Preisdifferenzierung soll laut LECTURA folgendes zum Ziel haben:

  • Einen möglichst marktauthentischen OLV zu isolieren, der den fairen Marktpreis (Handelspreis, nicht Angebotspreis) auf internationalen Marktplätzen widerspiegelt
  • Einen möglichst marktauthentischen FLV zu schaffen, der eine reelle Datenbasis zur Grundlage hat und einen belastbaren, aber nicht zu risikoaversen Wert darstellt

Diese neue „Zwischenebene“ soll Marktspielern ermöglichen, die Angebotspreise auf Marktplätzen und Auktionen realistisch einschätzen zu können. Finanzieren und anderen risikogetriebenen Spielern hilft dies, bessere Kalkulationen für den Kunden und die eigene Ökonomie aufstellen zu können.

Es zeigt sich also, dass man ohne Werkzeuge nicht „mal eben so“ den reellen Wert einer Maschine bestimmt.

Welche Trends könnten sich zukünftig abzeichnen?

Die Online-Marktplatzsituation könnte etwas „aufklaren“, d.h. vom quantitativen hin zum qualitativen Ansatz. Kleinere, spezialisierte Marktplätze mit realistischeren Angeboten und/oder die zunehmende Digitalisierung (damit Transparentierung) von Online-Händlerangeboten (direkt, nicht via Marktpatz). Ein geschlossener Marktplatz mit vergleichbarem Ansatz ist beispielsweise MachineHero.

Veröffentlicht von Chris Domagala

LECTURA Specs ist eine international frequentierte Online-Plattform (8 Sprachen, Plattformwachstum 2019-2020: 106%) rund um das Thema “mobile Maschinen”. Autor des Beitrages für B2Innovate auf Basis der oben ausgeführten Methodik ist Chris Domagala, Chief Business Development Officer bei LECTURA.

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